Themensammlung für Mitbürger von 50 aufwärts
(Eine
kurze Zusammenfassung verschiedener Artikel aus "Club
50 plus" der WESTFÄLISCHEN RUNDSCHAU vom 18. März
2005)
Zu
kompliziert (viele fühlen sich von der Technik überfordert)
Es
gab einmal Telefone, die an Kabeln hingen, die aus oder von
einer Wand kamen. Das war eigentlich ganz einfach, langweiliger
als heute vielleicht, aber eben einfacher!
Heute
sei auch alles ganz einfach, sagen die Vertreiber moderner
Techniken, man muss nur ein wenig installieren, man benötigt
Hardware und etwas Software, und man sollte auch wissen, wie
es geht. Aber das sei doch alles ganz einfach. Schon Schüler
im Grundschulalter wüssten damit umzugehen.
Aber
was ist, wenn ein, sagen wir über 60-Jähriger, noch
nie vorher Befassung mit einer solchen neuen Technik hatte,
und für den technisch Interessierte, gleich welchen Alters,
nicht erreichbar sind? Marktforscher haben in neuester Zeit
zwei etwa gleich große Gruppen von Mitmenschen ermittelt,
nämlich die von der Technik Begeisterten und die von
der Technik schlicht Überforderten. Und zu dieser zweiten
Gruppe gehören zunehmend ältere Menschen, die von
der rasanten technischen Entwicklung abgehängt werden,
die mit Innovationen nur noch in Berührung kommen, wenn
Kinder oder Enkel ihnen welche schenken. Ein hoher Prozentsatz
von Handybesitzern über 60 hat beispielsweise das durchaus
zutreffende Gefühl, die Funktionen ihres Gerätes
nur noch teilweise zu nutzen, ja, nutzen zu können!
Und
das gilt nicht nur für das Telefonieren, sondern auch
für das Radio hören, das Fernsehen und, und, und
Mit dem Blick für "das Ganze" (Forschung "Gedächtnisleistung")
Unrichtig
ist die Annahme, dass das Gedächtnis mit zunehmendem
Alter abnimmt. In manchen Fällen verbessert es sich sogar!
Beispielsweise lernen jüngere Menschen weniger aus ihren
Fehlern als ältere, das hat ein Institut für Arbeitsphysiologie
anhand neuester Tests herausgefunden.
Die Untersuchung zeigte, wenn ein älterer Mitbürger
bei einer Aufgabe einen Fehler machte, zögerte er bei
der nächsten Testfrage. Dadurch waren die 55- bis 65-Jährigen
insgesamt gesehen zwar etwas langsamer, machten letztlich
aber auch weniger Fehler. Eine solche Vorsicht ist bei Reaktionszeiten
ebenfalls zu erkennen. Reagiert ein älterer Mensch auf
visuelle Reize etwas langsamer, kann man daraus nicht unbedingt
auf nachlassende Gehirnleistung schließen. Im Allgemeinen
sind sie nur vorsichtiger.
Allerdings
blenden Ältere unwichtige Informationen schlechter aus
als Jüngere und lassen sich damit leichter ablenken.
Das lässt den Schluss zu, dass Senioren eher den Blick
für das "große Ganze" erworben haben.
Das
Bild ändert sich radikal (aktiv und mobil bleiben wollen
die "Neuen Alten)
Nach
der gestiegenen Lebenserwartung gepaart, mit der Bevölkerungsstatistik
und -wissenschaft, wird das Seniorenbild in der Gesellschaft
sich radikal verändern. Da nach der statistischen Prognose
im Jahr 2040 jeder zweite Bundesbürger über 50 sein
wird, werden die "Neuen Alten" nicht nur zu einer
starken Gruppe, sondern sie werden auch ein neues Selbstbewusstsein
entwickeln.
Über Jahrzehnte wurde Alter gleichgesetzt mit schlechtem
Gesundheitszustand, mit Passivität und Isolation. Diese
Auffassung wird zum überholten Vorurteil. Die Altersgruppen
über 55 und 60 sind aktiv, sie wollen mobil sein und
möglichst unabhängig, dafür aber auch etwas
tun. So vermelden beispielsweise Sportverbände die höchsten
Zuwachsraten in der Altersklasse über 60.
Vor
dem Hintergrund einer etwa 30 Jahre andauernden Lebensphase
sind die meisten Senioren weder hilfs- noch pflegebedürftig,
sondern ganz im Gegenteil vital und engagiert.
Doch
stellt die oben aufgezeigte Entwicklung Gesundheits- und Seniorendienstleistungen
auch vor besondere Herausforderungen. Es nimmt nämlich
zwangsläufig auch die Zahl der Hochbetagten zu und mit
ihnen die Zahl der Hilfs- und Pflegebedürftigen in sehr
spätem Alter. Es gibt Berechnungen, nach denen in Nordrhein-Westfalen
im Jahr 2015 etwa 850 000 Menschen über 80 Jahre alt
sein werden. Es ergeht daher der Ruf nach neuen Initiativen
zu einem Qualitätsmanagement der Pflege. Leider ist gegenwärtig
nur eine beschränkte Zahl von Krankenkassen der Seniorengesundheit
zugewandt und macht sie auch zum Schwerpunktthema, nicht zuletzt
angesichts der eigenen Mitgliederentwicklung und Versichertenstruktur.
Es beginnt sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass im Alter
beispielsweise der Sport immer mehr an Bedeutung gewinnen
kann. Forderungen aus der Politik entsprechend ist beabsichtigt,
Angebote zum Bewegungs- und Balancetraining zu machen und
Kurse zum Gedächtnistraining und zur Ernährung im
Alter anzubieten. Dies sind nur einige der geplanten Aktivitäten.
Die
AOK hat in Niedersachsen und in Baden-Württemberg zwei
besondere Vorsorgemaßnahmen angeboten. Mit Pilotprojekten
will sie die Besorgnis erregende Sturzgefahr, nicht nur in
Pflegeheimen, erheblich vermindern. Diese Maßnahme steht
vor dem Hintergrund einer bedenklichen Entwicklung, nach der
mindestens einmal im Jahr die Hälfte alle Pflegeheimbewohner
stürzt. 5% der Stürze führt zu Knochenbrüchen,
und ab dem 65. Lebensjahr zählen Stürze zu den häufigsten
Todesursachen. Für ältere Menschen führt im
Allgemeinen ein Sturz mit seinen Folgen zur erheblichen Verschlechterung
der Gesundheit und zum Verlust von Lebensqualität.
Bereits
nach einem erfolgreichen Pilotlauf hat die AOK Baden-Württembergs
ihr Projekt in Pflege- und Altenheimen wegen erkennbaren Erfolges
erheblich ausgeweitet.